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Donnerstag, 07. September 2017, 00:00 Uhr

Studie: Was Gänsehaut beim Musikhören bedeutet

Wen(n) Musik emotional berührt

Eure Lieblings-Playlist steht auf Shuffle und obwohl ihr alle Songs schon in- und auswendig kennt, jagt euch bei einer besonders emotionalen Stelle plötzlich ein Schauer den Rücken runter und die Härchen auf euren Armen stellen sich auf - ein Gänsehautmoment! Doch was bedeutet das?

Kennt ihr das, wenn ihr eure Lieblingssongs hört und ihr nicht nur psychisch, sondern auch physisch gepackt werdet, sie euch eine Gänsehaut bescheren und Schauer über den Körper laufen lassen? Wenn euch Musik emotional berührt?
Angeblich besitzt nicht jeder Mensch diese Fähigkeit, solche Reaktionen sind also selten und besonders. Eine neue Studie hat sich damit genauer beschäftigt und neue Erkenntnisse übers Schaudern beim Musikhören gebracht.

Die Studie wurde von Matthew Sachs, einem Absolventen der Harvard University, geführt. Er behauptet, dass Menschen, die beim Musikhören eine Gänsehaut bekommen, in größerer Verbindung mit ihren Emotionen stehen, beziehungsweise in größerem Einklang mit ihren Emotionen sind.

Mit der emotionalen Wirkung von Tönen haben sich schon viele Wissenschaftler vor ihm beschäftigt und das pathetische „Musik ist die Sprache der Gefühle“ als echten Forschungsansatz angewendet.

Doch für was sind Emotionen gut und wie entstehen sie überhaupt? Emotionen haben zunächst einen primär biologischen Zweck: Jeder Mensch hat Ziele, welche von der Kultur oder individuellen Lebensplanung geprägt oder von der Biologie vorgegeben sind. Ein Ereignis, das eines dieser Ziele entweder begünstigt oder ihm hinderlich ist, erzeugt demzufolge eine positive beziehungsweise negative Emotion und hilft uns so, in Situationen die richtige Entscheidung zu treffen.

Nun wieder zurück zu Sachs, dessen Studie unter dem Titel "Brain connectivity reflects human aesthetic responses to music" kürzlich im Oxford Academic veröffentlicht wurde. Dazu hat der Forscher mit der Hilfe von 20 Personen eine Untersuchung durchgeführt. Die Hälfte davon gab an, Gänsehaut zu bekommen, wenn sie ihre Lieblingssongs hörten, während dem bei der anderen Hälfte nicht der Fall war. Mithilfe der sogenannten diffusionsgewichteten Magnetresonanztomografie untersuchten die Wissenschaftler die Gehirnaktivität der Individuen beim Musikhören.

Bei der Untersuchung kam zum Vorschein, dass die Personen, die Gänsehaut bekamen - im Gegensatz zur anderen Gruppe - strukturelle Unterschiede im Gehirn aufweisen. Sie haben ein größeres Volumen an Nervenfasern, welche ihre Hörrinde mit dem Teil des Gehirns vernetzen, der körperliche Gefühle und Emotionen auslöst. Das bedeutet, dass die beiden Bereiche besser kommunizieren und somit stärkere und intensivere Emotionen ausgelöst werden können. Menschen, die besonders zu diesen Empfindungen neigen, sind jene, die sich mit Musik auf intellektueller Ebene beschäftigen, über eine große Vorstellungskraft verfügen und somit Melodien erkennen und sogar vorhersagen können.

Musik kann aber nicht nur angenehme, vergnügliche Gefühle hervorrufen, sondern auch negative oder adrenalinerfüllte wie es bei Horrorfilmen beispielsweise der Fall ist. Wobei Filmmusik wieder ein ganz anderes Thema ist, da hier die Kombination aus visuellen und auditiven Reizen gemeinsam für Schauer sorgen.

Außerdem muss man noch erwähnen, dass bestimmte Songs von jedem Individuum mit Erfahrungen, Personen oder Erinnerungen verbunden sind, also in einem persönlichen Kontext eingebettet sind. Das kann die Situation sein, in der man einen Song zum ersten Mal gehört hat. Oder der Song wurde später im Gehirn mit einem anderen Ereignis verknüpft wie dem Moment, als man seine große Liebe kennenlernte oder als man auf einem Konzert lauthals mitgesungen hat. Für all das ist das episodische Gedächtnis verantwortlich. Dieser Faktor konnte während der Untersuchung im Labor natürlich nicht kontrolliert werden, hat jedoch einen großen Einfluss auf das Ergebnis.

Jetzt möchte Sachs weitere Untersuchungen durchführen, um mehr Informationen zur Beziehung zwischen Gänsehaut und Musikkonsum und den diesbezüglichen Auswirkungen auf das menschliche Bewusstsein zu bekommen. Er erhofft sich damit in naher Zukunft psychologische Störungen wie Depressionen behandeln zu können und neue Therapiemöglichkeiten zu schaffen.

 Depression causes an inability to experience pleasure of everyday things. You could use music with a therapist to explore feelings.

Hoffen wir, dass Matthew Sachs fleißig weiterforscht und eine wirkungsvolle Therapie entwickeln kann. Das wäre doch mehr als gut, wenn man tatsächlich nur mit der Macht von Musik Krankheiten heilen könnte.


Bildquelle: flickr | "Musik hören" von Sascha Kohlmann | CC by-sa 2.0